Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Sakristanenverbände

 

Internationales Mesnertreffen in Weltenburg

Kurz nach Jahresbeginn steht jeweils die Tagung  der ADS (Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Sakristanenverbände) an. Die diesjährige Tagung fand am 18./19. Januar 2016 statt und wurde von der Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Mesnerverbände organisiert. Der Tagungsort war das Kloster Weltenburg an der Donau; der kulturelle Tag führte uns in die Bischofsstadt Regensburg.


Besonders wertvolle Beiträge

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten der ADS, Klaus Probst, stellte Dommesner Josef Dommer, Diözesanleiter der Mesner der Diözese Regensburg, das vielversprechende Rahmen  programm vor. Nach den Regularien (Protokoll, Kassabericht, Jahresbeitrag etc.) folgten die Jahresberichte des Vorsitzenden und der fünf Mitgliedverbände, dann auch der Bericht über die Verehrung des seligen Franz Jägerstätter. Die längere Diskussion über weitere Akzente dieser Verehrung, z.B. eines Jägerstätter­Jahres 2017, blieb ohne konkrete Ergebnisse. Interessanter waren dann aber die folgenden drei Punkte: der geistliche Impuls des neuen Präses, die Grußworte des Abtes und das Referat zum Schwerpunktthema.


Barmherzigkeit in der Welt von heute

In seinem geistlichen Referat sprach der ADS­-Präses, Msgr. Dr. Walter Juen, über das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Er ging aus von den verschiedenen terroristischen Ereignissen der letzten Monate, angesichts derer das katholische „Jahr der Barmherzigkeit“ geradezu anachronistisch erscheinen mag. Doch gerade in diese „Misere“ der heutigen Welt und Zeit hinein muss die Kirche erst recht die Botschaft von der „misericordia“ (= Barmherzigkeit) verkünden und leben. Der Referent zeigte dann auf, was für Papst Franziskus das Wort von der Barmherzigkeit beinhaltet und inwiefern „Barmherzigkeit“ der Name Gottes ist und was daraus folgen muss für das Denken und Reden, Leben und Handeln der Kirche und jedes Christen.


Das älteste Kloster Bayerns

Sehr interessant waren auch die Grußworte von Abt Thomas M. Freihart. In sympathischer Art und Weise erklärte er die wechselvolle Geschichte des Klosters Weltenburg, das auf eine Gründung durch Schüler des heiligen Kolumban zurückgeht und als ältestes Kloster Bayerns gilt. Im heutigen Barockkloster mit seiner besonderen Lage am oberen Eingang des berühmten Donau­ Durchbruchs leben zur Zeit sieben Mönche mit einem relativ niedrigen Durchschnittsalter. Sie sind tätig in der Pfarrei­-Seelsorge, im Gäste­ und Bildungshaus St. Georg und in der Pastoral für die rund 500 000 Touristen und Pilger, die das Kloster mit seiner prächtigen Asam ­Kirche, seiner lauschigen Klosterschenke und der ältesten Klosterbrauerei jedes Jahr aufsuchen.


Kirchenraum-Pastoral

Am Nachmittag stand dann das aufschlussreiche Referat zum Thema „Kirchenraum­-Pastoral“ im Mittelpunkt. Referent war Domvikar Dr. Werner Schrüfer, Regensburg. Als langjähriger Leiter der Regensburger City­-Pastoral zeigte er auf, wie eine wohlwollende Aufnahme der unterschiedlichen Besucher und Touristen und besonders auch Kirchenführungen wichtige Orte für Verkündigung und Pastoral sind. Im ersten Teil des spannenden Vortrags ging es um die Bedeutung der sakralen Räume in einer unbehausten Welt. Was Menschen in unseren Kirchen suchen, sind Sicherheit und Geborgenheit, Angenommen sein, bleiben der Sinn, eine Mitte in einer auseinander brechenden Welt, Stille, Ruhe und Andacht. In einem zweiten Punkt sprach der Referent über die unterschiedlichen Besucher, Gäste und Touristen, die sich zwar „nichts sagen lassen“, denen man aber alles erzählen kann. Da sind die „Kenntnisreichen“, die viel wissen und im christlichen Glauben einigermaßen sozialisiert sind; da sind die „Interessierten“, die nicht viel wissen, aber doch offen sind, etwas Solides zu hören; und schließlich sind da die „zufälligen“ Touristen. Viele kommen mit Halbwissen und Vorurteilen, sind aber in besonderen Situationen (wie z.B. im Urlaub), offener als sonst. Eine Kirchenführung soll nicht nur Steine erklären, sondern zu einer emotionalen Berührung mit dem Raum verhelfen, geistlich und seelisch. Im dritten Teil regte der Referent uns alle als Personal im kirchlichen Dienst zum Nachdenken an: Wie sehe ich meinen Dienst? Fühle ich mich verantwortlich für den heiligen Ort, ohne „Herrscher-Allüren“? Wie trete ich auf? Was sind für mich die Besucher der Kirche, will  kommene Gäste oder Störenfriede meiner Ordnung? Weiß ich Bescheid über „meine“ Kirche, z.B. über die Bedeutung der Liturgischen Orte im Unterschied zu weniger wichtigen Dingen? Weiß ich auch Bescheid über grundlegende Verhaltensweisen in der Kirche und über deren Begründung? Wie gehe ich auf die Leute zu?


Ehrung

Nach dem Ende der eigentlichen Sitzung durften wir in der Nikolaus ­Kapelle des Klosters die heilige Eucharistie feiern, und nach dem Abendessen fand ein kleiner Festakt statt zur Verleihung des Titels „Ehrenvorsitzender der ADS“ an Martin Salzmann; die Ernennung und Würdigung erfolgte schon an der letztjährigen ADS-­Tagung (siehe Bericht im Heft 3/2015). Der Abend klang aus mit einem gemütlichen Beisammensein mit Mesner-Kollegen aus Regensburg.


UNESCO-Weltkulturerbe Regensburg

Wie üblich galt der zweite Tag mehr der Pflege der Kameradschaft und einem kulturellen Programm. Dazu fuhren wir in die uralte Bischofsstadt Regensburg am nördlichsten Punkt der Donau. Leider war es den ganzen Tag über eisigkalt. Aber nichtsdestotrotz war die Stadtführung überaus spannend und interessant. Sie begann im Quartier Stadtamhof und führte uns über die Steinerne Brücke zur römischen Porta Prätoria, dann durch enge Gassen und über stimmungsvolle und geschichtsträchtige Plätze zum Alten Rathaus, wo wir von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs empfangen wurden. Am Nachmittag besuchten wir von den vielen Kirchen Regensburgs die „Alte Kapelle“ und den „Hohen Dom St.Peter“, wo uns neben dem gotischen Raum und den prächti­gen Glasfenstern auch die ganz neue, moderne Domsakristei besonders inte­ressierte. Nach dieser Domführung kam Weihbischof Reinhard Pappenberger zu uns und feierte mit uns in der Sailerkapelle des Domes die heilige Messe. Und zum Abschluss dieses intensiven Tages wurden wir von Generalvikar Michael Fuchs im Hotel „Bischofshof“ zum Abendessen eingeladen.


Dankeschön

Damit gehört die 39. ADS­-Tagung der Vergangen heit an. Der gastgebenden Süddeutschen Mesnergemeinschaft sei aufrichtig gedankt für die gute Organisation und die herzliche Gastfreundschaft. – Die nächste ADS­-Tagung wird vom Schweizerischen Sakristanenverband organisiert und am 16./17. Januar 2017 in Kreuzlingen durchgeführt.

Pfr. Dr. Erwin Keller | Gossau